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JEDERMANN
REMIXED – THE SOUNDTRACK
Hans Theessink und das Spiel des reichen Mannes
Untätigkeit konnte man Hans
Theessink ja noch nie vorwerfen.
Folgerichtig dürfte auch 2011 ein weiteres, markantes Schaffensjahr in
der
Karriere des Wahlwieners darstellen. Ausgedehnte Tourneen, die Arbeit
an einem
neuen Solo-Album, das Erscheinen seiner Biografie, zahlreiche Ehrungen,
wie das
Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien…
Doch damit nicht genug. Hannes
Rossacher, seit Langem Freund der
Familie, überredete Theessink zu einem ungewöhnlichen Projekt, welches
in
Windeseile in die Tat umgesetzt wurde und nunmehr auch als Tonträger
vorliegt.
Titel: „Jedermann Remixed“. „Hannes kam im März dieses Jahres mit der
Idee zu mir,
ich könnte die Musik für sein Jedermann-Konzept einspielen. Das klang
sehr
spannend, würde man spontan doch eher daran denken, dafür Klassische
Musik
einzusetzen“, erläutert Theessink im CONCERTO-Interview. „Doch bei
näherer
Betrachtung wird klar, dass gerade Blues- und Rootsmusik thematisch
immer schon
eng mit Themen wie Tod und Teufel verbunden war.“
Neunzig Jahre Spiel vom Sterben
des reichen Mannes bei den Salzburger
Festspielen bieten den Anlass für den ORF, aus dem ebenso lang
vorhandenen
Archivmaterial eine komplette „Jedermann“-Aufführung zu collagieren,
von
Alexander Moissi, der den Jedermann 1920 bei Max Reinhardts
Inszenierung am
Salzbuger Domplatz gab – Reinhardt führte übrigens auch Regie bei der
Uraufführung des Stückes 1911 im Berliner Zirkus Schumann – bis zu
Nicholas
Ofczarek 2010. Die Schnitte dieses einzigartigen, filmischen Vorhabens
werden dabei
durch einen Soundtrack unterstützt, der vor allem auch durch
stilistische
Kontinuität brilliert. Basierend auf den Hauptthemen des
Mysterienspiels
machten sich Theessink und Rossacher auf die Suche nach passenden
Songs. So
wird der Auftritt des Todes von Johnny Cashs „The Man Comes Around“
begleitet,
jener der Buhlschaft von Ray Charles´ „I Got A Woman“ und der des
Reichen
Mannes selbst von – wie könnte es anders sein – Bo Diddleys „I´m A
Man“. „Die
Herangehensweise unterscheidet sich natürlich völlig von gewohnten
Platten.
Indem du Songs zu vorgegebenen Themen wählen musst, kommst du zu
Nummern, die
du wahrscheinlich normalerweise niemals angerührt hättest. Ich glaube
zum
Beispiel kaum, dass ich jemals Lieder von den Stones aufgenommen hätte.
Dabei
liebe ich diese Nummern! Ein wunderbarer Prozess, auch für mich selbst.
Oder
Johnny Cashs „The Man Comes Around“. Für mich ein Song, den man
eigentlich gar
nicht anrührt, so unübertroffen ist das Original. Hier musste ich es
tun und
das war letztlich für mich auch sehr lehrreich. Übrigens singe ich den
Song um
zwei Töne tiefer als Cash es tat!“
Einer der zentralen
musikalischen Momente des Projektes ist „Cuckoo“,
Hans Theessinks Song vom Album „Call Me“. Die atmosphärische,
deltagetränkte
Mystik des Tracks, mit seiner intensiven, von Theessink, Terry Evans
und Bobby
King vokal geprägten Stimmung, scheint wie vorausahnend geschaffen für
jenen
Moment, in dem Jedermann des Todes angesichtig wird, der seine
unerbittliche
Hand nach ihm ausstreckt, unsichtbar für die restliche
Festgesellschaft. „Indem
wir das Kunstwerk der Inszenierung mit dem Kunstwerk der dazu passenden
Musik
unterlegen, können wir beide verstärken und die Stimme des Stücks
stärker zu
Wort kommen lassen“, hält Regisseur Hannes Rossacher fest. Songs von
Tom Waits,
Johnny Cash, Hank Williams, Joe South oder Jagger/Richards –
aufgenommen mit
dem bekennenden Stones-Fan Knud Møller in Dänemark - bestimmen den
Soundtrack
ebenso wie Traditionals bzw. bereits veröffentlichte
Theessink-Kompositionen.
Bezüglich der Mutter, welche dem Sohn ins Gewissen redet, wurden
Theessink/Rossacher
indessen nicht fündig. So entstand „Mother´s Advice“, das Hans
Theessink extra
für „Jedermann Remixed“ komponierte. „Auch das war für mich eine
vollkommen
neue Erfahrung. Auf „Auftrag“ hatte ich zuvor noch nie Lieder
geschrieben“.
Besondere Freude bereitet dem Maestro übrigens auch die Covergestaltung. „Ich hatte schon immer den Wunsch, dass Peter Pongratz eines meiner Cover gestaltet. Er hatte mir das auch schon zugesagt. Jetzt hat es endlich geklappt, wobei gerade das Jedermann-Thema außerordentlich passend dafür ist“. Damit wieder ein Kreis, der sich geschlossen hat. Was bleibt da für die Zukunft? Ein Stück fürs Burgtheater? „Wer weiß?“, lacht Theessink und irgendwie stellt sich das Gefühl ein, auch dies könnten wir noch erleben. Dietmar Hoscher
CD-TIPP
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